Vertrau deiner eigenen Wahrheit

Es hat tatsächlich etliche Lenze gebraucht, bis ich es verstanden hatte.
Verstanden, dass ich selbst am besten weiß, was mir gut tut und wie ich meine beste Seite leben kann. Eigentlich.
Bis es soweit war, gab es zahlreiche Momente, in denen ich unsicher war, was nun richtig war und was nicht. Ob ich richtig war, so wie ich war. (Und es gibt sie auch heute noch 😉)

Als Kind liebte ich es, die Zeit mit meinen Haustieren zu verbringen. Stundenlang kuschelte und spielte ich mit ihnen oder baute für sie verzwickte Labyrinthe aus Lego. Mehr brauchte ich nicht.
Wenn die Tiere eine Pause brauchten, konnte ich ewig im Gras sitzen und nach vierblättrigen Kleeblättern suchen oder Grashüpfer und Goldkäfer beobachten. Ich mochte es, still zu sein und einfach wahrzunehmen, was um mich herum war.
An anderen Tagen spielte ich gern mit meiner Freundin und den Kindern aus der Nachbarschaft draußen auf der Straße oder im Feld, bis ich abends schmutzig und müde heimkam. Ich brauchte nicht viel, um glücklich zu sein, Tiere, frische Luft und meine Freundin.

Später im Gymnasium wurde es anstrengend. Statt zu Fuß zur Schule zu gehen, fuhr ich nun fast eine Stunde im vollen Bus. Da war es oft laut und eigentlich immer stickig.
Auch in den Pausen gab es viel Lärm, es war eine große Schule, und das machte mir oft mehr Stress als der Unterricht. Zum Glück verfügte das Schulgelände über einen schönen Park, und wenn es nicht regnete, gingen wir raus.
Mit den Jahren schien es dann immer wichtiger, welche Kleidung man trug. Außerdem war es cooler, in der Raucherecke zu stehen, als durch den Park zu gehen. Bei den Klamotten hab ich dank eines Jobs neben der Schule zum Teil noch mitgespielt. Es fühlte sich irgendwie gut an, gab mir ein Stück Sicherheit. Rauchen oder auch nur in der Raucherecke den Qualm einatmen ging für mich aber gar nicht. Ich ging lieber raus oder verbrachte meine Zeit mit anderen. Damit war ich dann auch raus. Freundschaften entwickelten sich auseinander und die Heimfahrten mit dem Bus wurden einsamer. Aber es war ok.

Dann war es irgendwann mein erster Freund, der sagte: „Du bist immer so still, wenn wir mit meinen Verwandten zusammensitzen. Beteilige dich doch mal mehr am Gespräch.“ Dabei fand ich diese Gespräche oft echt anstrengend. Meist lagen konträre Meinungen auf dem Tisch und man versuchte, sich gegenseitig von der richtigen Sichtweise zu überzeugen. Das wurde auch regelmäßig laut und für mich war es ziemlich ermüdend. Wieso konnte man nicht unterschiedlicher Meinung sein und trotzdem eine gute Zeit miteinander haben? Wieder fühlte ich mich hier nicht richtig.

Im Grunde setzte es sich in den folgenden Jahren ähnlich fort. Es kamen unterschiedliche Menschen in mein Leben. Es gab viele wirklich wunderbare Momente. Und es gab Aussagen wie: „Stell dich doch nicht so an!“, „Du bist aber empfindlich.“, „Wieso bist du so still? Magst du meine Freunde nicht?“
Rückblickend hab ich mich oft verbogen, um zu passen. Um zu den anderen zu passen, um in die Situation zu passen, nicht aus der Rolle zu fallen. Und weißt du was? Das war echt anstrengend, und es war nicht meins.
Na klar gibt es Anlässe, bei denen man auch eine bestimmte Rolle hat, und das war auch nie das Problem. Schwierig ist es dann, wenn es zum Dauerprogramm wird, dass du dich anpasst und gegen deine innere Natur lebst. Ich selbst hab mich privat und im Job zahlreichen herausfordernden Situationen gestellt, mich auch beraten oder coachen lassen und es hat gut funktioniert. Ich habe gut funktioniert. Am Ende waren meist alle zufrieden und das war mein größter Lohn. Doch das Tun selbst hat mich rückblickend jede Menge Kraft gekostet und mich vor allem nicht wirklich glücklich gemacht.
Manchmal wünsche ich mir, ich hätte das früher verstanden, aber vermutlich war es wichtig, erst diese Erfahrungen zu machen, um das für mich klar zu kriegen.

Inzwischen bin ich wieder da angekommen, wo ich mich wohlfühle. Bei mir selbst!
Und habe das wiedergefunden, was ich schon als Kind geliebt habe und was meine Natur ausmacht.
Ich liebe es, draußen in der Natur zu sein. Ich gönne mir Momente des Rückzugs und sorge für mich. Ich genieße erfüllte Zweisamkeit und umgebe mich mit Menschen, die mir guttun. Ich hole mir mehr von dem in mein Leben, was mein Herz aufgehen lässt.
Geholfen hat mir dabei die Meditation. Einfach dasitzen und atmen. Still sein. Mich mit mir selbst verbinden. Wahrnehmen was ist und auch was hochkommt. Alles da sein lassen und annehmen. Tief im Innern spüren, was mich bewegt, wonach ich mich sehne.
Und dann mein Tun auf das ausrichten, was meiner Natur entspricht. Anerkennen was war, dankbar für das, was ich lernen durfte und es nun loslassen.


Vertrau deiner eigenen Wahrheit


Ich möchte dich ermutigen, auf deine ganz eigene Wahrheit zu vertrauen. Echt und du selbst zu sein. Dir selbst zuzuhören und dich zu erinnern, was dich ausmacht. Wer du warst, bevor du die limitierenden Sätze der anderen gehört hast. Denn eigentlich ist alles schon da, alles ist in dir. Du musst nur die ganzen Schichten wegräumen, die sich im Laufe der Jahre drübergelegt haben.

Verbinde dich mit dir selbst
Nimm dir täglich ein paar Minuten Zeit, ganz still zu sein. Setz dich hin und folge zunächst deinem Atem, beobachte wie er fließt. Mehr nicht. Wenn Gedanken kommen, ist das völlig normal. Registriere, dass sie da sind, aber häng ihnen nicht nach. Geh mit deinem Fokus zurück zum Atem. Mach das immer wieder, wenn der Geist abdriftet. Komm einfach zurück zum Atem. Und ganz wichtig: Mach dir keinen Druck. Setz dir kein Ziel. Verurteile dich nicht. Sei liebevoll mit dir selbst und schenk dir ein paar Minuten der Stille. Wenn du das regelmäßig machst, wirst du merken, dass der Geist mit der Zeit ruhiger wird.

Was kannst du lernen?
Gibt es Situationen in deinem Leben, die dich echt herausfordern? Dann schau zuerst genau hin, was es ist, dass du lernen darfst, was genau jetzt deine Aufgabe sein kann. Denn oft ist es leichter, Herausforderungen in gewohnter Weise zu umgehen, statt sich ihnen zu stellen und sich weiterzuentwickeln. Doch das, was uns bei anderen oder an Situationen gerade triggert, hat immer auch mit uns zu tun. Meist steckt dahinter ein bestimmtes Muster oder die Umstände ähneln sich. Also stell dir die Frage: Was ist es, dass ich jetzt lernen darf? Darf ist loslassen, Kontrolle abgeben?, Darf ich vertrauen? Darf ich für mich sorgen? …
Manchmal hilft auch der Blick von außen, von einem guten Freund, einer Freundin oder einem Coach, die aus einer anderen Richtung auf deine Situation schauen.

Hör‘ auf, dich zu verbiegen
Wenn du dein Lernfeld überprüft hast und du tief im Innern spürst, dass du mit deinem Gefühl, deiner Reaktion richtig liegst, dann steh dazu. Schluck es nicht runter, um anderen zu gefallen oder um der Harmonie willen. Öffne dich deinem Gegenüber und erkläre die Gründe dafür, warum du dieses oder jenes anders siehst, warum dich ein bestimmtes Verhalten verletzt oder was du dir vom anderen wünschst. Sei wertschätzend und interessiere dich auch für die Wahrnehmung des anderen. Wenn du offen auf den oder die andere zugehst, entsteht auf der anderen Seite meist auch Offenheit und ihr könnt mehr Verständnis füreinander entwicklen. Hilfreich ist hier, sich gemeinsam zu fragen: Was braucht der eine und was braucht die andere? Und wir finden wir zueinander?
Manchmal findet man nicht zueinander. Auch das kann sein. Wenigstens hast du aber versucht, zu verstehen und dich selbst verständlich zu machen. Am Ende finden wir unser Glück nicht bei oder durch einen anderen Menschen, sondern nur in uns selbst.

Kenne deine Werte
Um klar zu haben, wann du dich verbiegst und wann nicht, solltest du deine Werte kennen. Was ist es, das dir im Leben wirklich wichtig ist? Es gibt eine Vielzahl von Werten: Freiheit, Liebe, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Sicherheit, Frieden, Umwelt, Vertrauen, Gesundheit, Respekt, sind nur einige Beispiele. Unten findest du eine Liste von durcheinandergewürfelten Werten (ohne den Anspruch auf Vollständigkeit). Lass sie einige Minuten auf dich wirken, ergänze, wenn du willst, und dann schreibe deine TOP 10 auf. Wenn du sie gefunden hast, dann reduziere diese zehn Werte auf fünf. Das ist nicht einfach, aber es lohnt sich, weil es dir hilft, deine Werte zu reflektieren. Überprüfe mal, wie es um deine Werte steht. Erhält jeder von ihnen in deinem Leben ausreichend Beachtung? Welcher Wert kommt zu kurz und braucht mehr Raum? Und wie kann das gelingen?
Häng deine TOP 5 auch gern sichtbar am Kühlschrank oder Spiegel auf und schau, wie du jeden Tage etwas in dein Leben holen kannst, das deine Werte bedient.

Überprüfe deine Glaubenssätze
Manchmal tun wir über viele Jahre Dinge, arbeiten in Jobs, leben in Beziehungen, obwohl wir uns damit nicht wohlfühlen. Manchmal würden wir am liebsten alles hinschmeißen und was ganz anderes machen. „Reiß dich zusammen!“, meldet sich dann schnell ein innerer Kritiker. „Wann hörst du endlich auf zu träumen?“, tönt es aus einer anderen Ecke, „Das schaffst du sowieso nicht.“
Kennst du das auch? Solche Stimmen, die sich in deinem Kopf breit machen? Sie sind nicht grundsätzlich schlecht, sie alle haben eine positive Botschaft für dich. Etwas Disziplin hat noch nie geschadet und realistisch den Dingen und seinen eigenen Kompetenzen ins Auge sehen ebenfalls nicht und bewahrt womöglich vor Frustration und Spott.
Hör doch mal hin, welche inneren Stimmen, welche wiederkehren Glaubenssätze du so hast. Meist sind es alte Bekannte. Und dann überprüfe, ob sie früher vielleicht hilfreich waren, aber inzwischen echt überholt sind. Und ob es womöglich auch gar nicht deine eigenen sind, sondern die deiner Eltern (die es sicher gut meinten) oder Lehrer, die du oft gehört und übernommen hast. Ein erster Schritt ist getan, wenn du bemerkst, dass ein altbekannter Glaubenssatz wieder da ist. Dann halte kurz inne, atme tief und frag dich zum Beispiel: Wirklich? Ist das wirklich so oder könnte ich auch anders denken? Was würde meine Großmutter oder mein Mentor dazu sagen? Wie werde ich in fünf oder zehn Jahren darüber denken?
Möglich, dass du neue, hilfreiche Gedanken entwickelst, die dich (mit optimistischem Realismus) bei dem unterstützen, was dich glücklich macht.

Folge deiner inneren Stimme
Leichter gesagt als getan? Finde ich auch. Immer wieder. Woher weiß ich denn, dass es meine innere Stimme ist, die ich da höre und nicht doch ein geschickt getarnter Kritiker?
Eine klare Antwort kann ich dir hier nicht geben. Vielleicht hast du ja einen guten Draht zu deiner inneren Stimme und magst gern in den Kommentaren was dazu schreiben.
Ich kann dir nur sagen, wie ich persönlich es empfinde. Da ich ein ziemlicher Kopfmensch bin, ist in meinem Oberstübchen oft jede Menge los. Durchs Meditieren ist es schon besser geworden und tatsächlich spüre ich meine innere Stimme häufig, wenn ich still sitze. Wenn Sie sich meldet, dann in Form eines Schauers, der durch meinen Körper fließt oder durch ein gerührt sein. Schwer zu beschreiben, vielleicht hast du es selbst schon mal so oder so ähnlich erlebt.
Aber auch im Alltag, selbst wenn es hektisch zugeht, meldet sich meine innere Stimme. Das ist dann immer nur ein sehr, wirklich sehr(!) kurzer Moment von absoluter Klarheit. Glasklares Wissen, was jetzt mein Weg ist. Schnell wird diese Klarheit von irgendwelchen Gedanken verwässert, die wieder mein Kopf produziert. Er wägt ab, hin und her, Risiken… usw.
So haben wir oft eine vage Ahnung von dem, was uns glücklich machen könnte und (nach zahlreichen versöhnlichen Anstrengungen) tun wir dennoch Dinge, bleiben in Jobs, in Beziehungen, die nicht unserer Natur entsprechen.
Wenn wir aufhören zu hadern, wenn wir trotz Zweifel und Unklarheit, wie genau es weitergehen kann, unserer inneren Wahrheit folgen, die Richtung ändern, ist es höchst wahrscheinlich, dass sich andere, ungeahnte Wege auftun.
Wie von selbst.

Wir haben heute unzählige Möglichkeiten, unser Leben zu gestalten. So viele Quellen, social Media und auch Menschen in unserem Umfeld liefern uns tolle Beispiele dafür, wie ein glückliches Leben aussehen kann. Aber ist das auch deine Wahrheit? Passt das für dich?
Diese schnelllebige Zeit ist auch oft laut und voll. Gönn dir regelmäßig etwas Zeit für dich, um dich mit dir selbst und deiner eigenen Wahrheit zu verbinden. Vielleicht bist du ja genau richtig, wie du bist. Vielleicht bist du nur am falschen Ort.

Werte-Beispiele:
Frieden, Familienleben, Freundschaft, Karriere, Sicherheit, Kreativität, Beziehungen, Loyalität, Mut, Vertrauen, Freundlichkeit, Arbeit, Ausdauer, Respekt, Genuss, Mitgefühl, Umwelt, Aufrichtigkeit, Unabhängigkeit, Aufgeschlossenheit, Persönlichkeit, Wahrheit, Selbstachtung, Güte, Spiritualität, Gerechtigkeit, Disziplin, Kontrolle, Freiheit, Geborgenheit, Liebe, Spaß, Ehrlichkeit, Treue, Hilfsbereitschaft, Sanftmut, Zufriedenheit, Würde, Anerkennung, Ansehen, Demut, Besonnenheit, Menschlichkeit, Abenteuer, Begeisterung, Lebensfreude, Freude, Harmonie, Gesundheit, Gelassenheit, Kompetenz, Leistung, Harmonie, Akzeptanz, Toleranz, Authentizität, Nächstenliebe, Optimismus, Zuverlässigkeit, Geduld, Fleiß, Offenheit, Rücksichtnahme, Tapferkeit, Selbstbestimmtheit, Kontrolle, Ästhetik, …

2 Replies to “Vertrau deiner eigenen Wahrheit”

  1. Meditation ist das Beste. Aber auch dabei suche ich nicht. Bewusstes Suchen führt in die Irre.

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